Frischwasser

18
Dez
2006

Ende eines Lebensabschnitts

Liebe Menschen fragen mich, wie ich mich nun fühle.
Am Freitag bereits, es war 16 Uhr und alles getan, oder alles getan, was getan werden konnte jedenfalls, das letzte Mal verließ eine Angestellte den Ort ihrer sehr langen Weilen. Und der Kollege, den ich im Auto mitnahm, stellte mir als erster diese Frage: "Wie fühlst du dich jetzt?"
Ich sagte wahrheitsgemäß: "Ich fühle fast nichts".
Das lag daran, dass ich
a) recht eigentlich müde war, noch ein letzter hektischer Tag, den ich mit schlafentzogener Physis antrat.
b) dass da nach der Übergabe an meine wenig kuschelige Chefin noch ein Rest des Traumas an mir klebte, etwas, das ich nun nicht mehr ernst nehmen wollte - sollte das aber das einzig auffindbare Gefühl in mir sein, wollte ich lieber gar keines haben.
c) bin ich wohl ein sehr antizipierender Charakter und hatte alle Gefühlsmodalitäten in den vergangenen Tagen schon hinter mich gebracht und - wie ich nicht ohne Stolz und Freude sagen möchte - vermocht, in meinem Sinne zu gestalten. Abschiede wurden noch und nöcher in Abendstunden begangen, Geschenke eingesammelt, wunderschöne Wärme in Worten und Umarmungen gab es für mich, auch gar der Chef war respektvoll. Ich selbst hielt eine große kleine Rede, wie es nur in Momenten möglich ist, in denen man ein klein wenig über sich hinauswächst. Ich beobachtete meine Souveränität selbst und sie verschwand nicht. Ich war so froh. Für diesen Abschied, so ewig hinausgezögert bis an die Grenzen der Gefahr, hatte ich wohl ein Zielbild innerlich, und alles geschah genauso und besser noch.
Und dann war es rum und gerundet und so recht eigentlich empfinde ich fast nichts. Das ist ein wenig verwirrend. Hat damit zu tun, dass eine Weihnachtszeit ihren eigenen Stillstand verordnet und die Unterbrechung anberaumt, so dass die individuelle nicht weiter auffällt. Und dass ich nie wirklich weg war von Frankfurt und das neue "Frankfurt" sich noch gar nicht anzufühlen vermag.
Es ist eine Pause und ein Warten und in mir will ich froh und stolz in dieses neue Leben gehen, dass es nicht einfach nur das gewesene sei, unterbrochen von Unsinn. Nein, verwandeltes sei es jetzt, durch die Wachheit der Reisenden, Fremden, Exilierten, die sich ins Heldenhafte zu dichten vermag um mit neuer Konzentration und Selbstermächtigung leben zu können. So sei es.

15
Nov
2006

Sommer 06

Gerade dieser Sommer...
der war für mich schon sehr lehrreich.
Der rettet mich vielleicht über den noch nicht wirklich spürbaren Winter.

11
Nov
2006

Es gibt keine Zufälle

Wie ein Nachtrag kommt dies.
Klug formuliert, das ganze Elend, das das meine war. Und wohl auch noch ein paar Wochen lang ist, obwohl die sicher anders werden, und ich doch ein bisschen Angst jetzt habe davor. Mehr übrigens als vor der Freiheit, die kommt dann erst danach. (Mit den Gemütsverschleierungen halte ich es derzeit wie beim Knödelessen.)
Es ist so unglaublich fuchtbar, wieviele Menschen ihre Antriebskräfte niedeschlagen müssen, vergessen fast, nicht entwickeln können, für diese unsere Arbeitswelt. Und am End heißt es dann, wenn der Selbstverleugnungsprozess erfolgreich war, jede/r brauche halt eine geregelte Arbeit, gleich welche, sonst wisse er gar nchts mehr mit sich selber zu tun und werde erst recht depressiv.
Außerdem leben wir ja in einer Zeit, in der, wer Arbeit hat, kaum mehr jammern darf, froh sein muss er. Zum Glück gibt´s aber Blogs und da ist ja doch noch einiges möglich.

9
Nov
2006

Es ist vollbracht!!!!!

Es ist vollbracht!!!!!
Es ist vollbracht!!!!!
Es ist vollbracht!!!!!
Es ist vollbracht!!!!!
Es ist vollbracht!!!!!
Es ist vollbracht!!!!!
Es ist vollbracht!!!!!

Ein bisschen erschöpft bin ich,
die Freiheit in Sichtweite.

Wer weiß, was gemeint ist, weiß es:-))
Ansonsten: bald mehr.

1
Nov
2006

Elementar

Im Herbststurm stehend mit der ersten Zigarette des Bürotages, war mir als sei ich ein chemisches Element.
Das heißt: Individuell und in mir bestimmt aber ohne Grenze und Ich. Verbunden in Kombinationen, Synthesen, Reaktionen. Selbst im Anderen, selbst im anderen selbst, im Selbst anders selbst.
Am Schreibtisch sitzend, vorm Fenster der Herbst - und heute mal wieder sehr nikotinsüchtig - ist mir als wäre ich gerne ein chemisches Element.

26
Okt
2006

Flucht

Ja, man soll flüchten. Dann, wenn wirklich existentiell etwas auf dem Spiel steht. Die Beine soll man in die Hand nehmen und rennen, so schnell man kann. Dann - wenn der Sinn der Flucht eines und genau eines ist, zu entrinnen. Danach in Sicherheit...

Schwierig ist die Flucht, wenn einem die Decke des Lebens, der Himmel auf den Kopf fällt - und man die Situation bessern will durch Flucht. Das ist das Regen-Traufe-Spiel. Das Ungeklärte nimmt man mit und ist danach im unkenntlichen Nirgendwo. Vertrauen in den Weg und Idee eines Ziels, Vorstellung einer offenen Weite, die man beleben wird, sind nötig, um Unstimmiges heilen zu können. Das Scheiden muss Ent-scheidung sein.

25
Okt
2006

Erlaubnis, klein und groß zu sein

Ich saß im schicken Auto auf einer Dienstfahrt bei herrlicher Oktobersonne, und so kann es einem fast gut gehen oder sogar ganz. Und da hörte ich im Radio wohl Bayern2, denn dort drunten im Wald, da ist schon fast Bayern, das hier dann Franken heißt und anders ist und sympathisch wohl meist.
Bayern 2, eine schöne Frauenstimme sprach einen Text, Thema war ?, irgendetwas mit menschlichem Erfindungsgeist oder so, was ihn, den Menschen, zuallererst von den Tieren unterscheide. Zuallerst. Nein, zuallererst unterscheide ihn jenes nackt (ohne Fell) und auf nur zwei Beinen wackelig auf der Erde rum zu tappsen. Und so sei das mulmige Gefühl ihm mitgegeben diesem kleinen Menschlein, das wir alle sind, das sich mancherlei hat einfallen lassen, um seine Sicherheit zu finden („vom regenabweisenden Anorak bis zur Lebensversicherung“) und das sich umso mehr das Bewusstsein der Unsicherheit zugezogen hat. Balanciert und erfindet und bewältigt … Und dabei bleibt: Menschsein heißt, neben allem anderen, das mulmige Gefühl als Wegbegleiter zu haben.

Dieser Text war kein Lamento und nicht pfaffenhaft, er war schön formuliert und schön gesprochen. Er hatte einen so grundsätzlich liebevollen, achtungsvollen Blick auf dieses kleine allgemeine Menschlein, das ja auch die Autorin und die Sprecherin sind. Mit wurde warm und frei ums Herz.
Diese Einladung, das mulmige Gefühl als zu uns gehörend zu integrieren und darin geradezu eine liebevolle Idee des Zusammengehörens dieser wackligen Menschheit zu sehen, diese Einladung, das Glück zu suchen, ohne jemals tough sein zu müssen.
Das tat mir unendlich gut – während die Oktoberblätter mit ihren Farben lächelten dort droben in den Bergen und ich das dicke Auto um die Kurven schob wie eine dynamische Raumkapsel. In meinem Herzen lächelte es auch.

23
Okt
2006

Fernstenliebe

...über diesen Begriff denke ich seit Tagen nach, weil ich das erste Mal eine Vorstellung davon bekomme.

11
Okt
2006

Sovieles

bricht mir auf gerade, dass ich fast vergessen habe, Zeit zu nehmen für dieses Unglück...

ein längerer Text wäre gut, er würde ja mehr erklären...

(und dann meine Seele sei weit...)

25
Sep
2006

Erste Erkenntnisse auf der Insel

Am Anfang des Urlaubs – Tag 2 vielleicht, noch ganz frisch und doch da – zerlegten sich mir die Wörter nach einem Gezerre mit dem, der in Verdacht steht, traditionell, mir zu wenig xyz, für sich zuviel zyx und so weiter. Der ganze rap. Der falsche rap.
Zerlegten sich die Wörter: meine Bedürfnisse. Meine be-Dürf-nisse. Dürfen steckt da also drin und wird immer überhört, jedenfalls häufigst von mir. Und das Dürfen dürfen, das ist doch meine ureigenste Sache, wenn ich mir das nicht erlaube, laufe ich mit einem Bauchladen dieser Bedürfnisse herum, zeige sie vor, jammere rum. Markenzeichen unerfüllt.
Dass die Verantwortung - unter deren drückender Last ich immer meine, gebückt zu werden - eine ver-Antwort-ung ist, also wohl meine Vorstellung, auf alles und jedes eine Antwort haben zu müssen - war mir schon früher mal bewusst geworden. In diesem Kontext habe ich es mir aber noch mal näher angeschaut. Es gibt die Fälle, da meine ich sogar Antworten produzieren zu müssen, da hat noch nicht mal jemand gefragt. Die sind aber nicht das primäre Problem, das ist ja auch eher drollig. Schwieriger, wenn eine Frage von wem auch immer im Raume steht, verbal oder anders geäußert und gezeigt. Und /oder, wenn ich partout keine Antwort habe. Und doch meine, die ver-Antwort-ung läge bei mir. Mein be-Dürfnis ist oft genug etwas anderes, aber es darf dann nicht.
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Das Leben zwischen Schonwaschgang und Schleudern

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Kontakt und Absicherung

Ganz kann ich mich der Tatsache ja nicht verschließen, dass man heutzutage Impressionales beitragen muss. Ich kann, so vermute ich, alle Inhalte meines Blogs selbst verantworten und werde mich auch bemühen, mich an geltendes Recht zu halten. Ich wurde protestantisch erzogen und bin in solchen Bemühungen also geübt. Den Inhalt externer Links kann und will ich nicht verantworten und distanziere mich also nicht nur von jenen, sondern auch von allen Erwägungen, mich dafür in Verantwortung zu ziehen. In irgend auftretenden Zweifelsfällen, viel lieber aber für freundliche Post, gibt es ab sofort ein offenes Scheunentor: wasserfraufrau at gmx punkt de.

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